Brennpunkte der Inklusion von Autisten in die deutsche Behindertenszene

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31.03.12, 15:17:09

Martin Schöngarth (55555)

Wie Gehörlose haben auch Autisten ihre eigene Kultur. Einige Brennpunkte bisherigen Mißverständnisses liegen jedoch bisher wohl noch unerkannt und ungelöst vor, da die Art von grundlegender Andersstrukturiertheit für durchschnittliche Nichtautisten oft nicht fassbar ist, weil "sie es sich selbst im Traum nicht hätten vorstellen können" Im Vergleich kommen euch/uns wahrscheinlich grüne Marsmännchen dank Hollywood regelrecht realistisch vor.

Einige Beispiele:

- Durchschnittliche Nichtautisten bilden sich häufig ein multitaskingfähig zu sein. Die Wissenschaft zeigt uns jedoch, daß dieser Eindruck letztenendes nur eine Illusion ist. Ebenso bilden sich durchschnittliche Nichtautisten gerne ein ihre Mitmenschen emotional gut verstehen und erfassen zu können. Auch dies scheint nach dem Stand der Psychologie eher ein Trugbild zu sein als der Realität zu entsprechen. Autisten scheinen sich hier wesentlich besser selbst einschätzen zu können. Die daraus resultierenden sich unterscheidenden Selbsteinschätzungen könnten zu den gängigen Klischees geführt haben, daß Autisten nicht multitaskingfähig wären und andere Menschen wesentlich schlechter einschätzen können. Durchschnittlicher Nichtautismus funktioniert hier möglicherweise wie eine Form der Schizophrenie (also grob verallgemeinert der Eigenschaft Dinge für real zu halten, die es nicht sind), wofür es auch neurologische Hinweise gibt.

- Autisten sprechen deutsch, Nichtautisten sprechen deutsch. Dennoch unterscheidet sich die Art der Anwendung teilweise grundlegend. Während Autisten meist direkt kommunizieren vermuten Nichtautisten oft geradezu zwanghaft irgendwelche weiteren Mitteilungen jenseits der unmittelbaren Aussagewerte.

Beispiel:
A: "Dein Schuh ist offen."
B: Oh nein, A mag mich nicht.

Während der erste Punkt durch einen gewissen Bildungsstand wohl halbwegs beherrschbar ist, hat es sich bisher gezeigt, daß es Nichtautisten oft geradezu unmöglich ist Sprache nicht auch immer nebenbei "schizophren" zu deuten. Dies stellt sich als riesige Herausforderung für die Kommunikation dar, für die eventuell mitlesende Nichtautisten mögliche Lösungen entwickeln könnten um sachliche Kommunikation ohne ständige Verwerfungen und Fehldeutungen möglich werden zu lassen.
 
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