Ist eine klare Abgrenzung von "Behinderung" zu sonstigen Diskriminierungen möglich?

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13.02.12, 16:18:45

Martin Schöngarth (55555)

Ist die nächste Stufe in der Entwicklung der Behindertenrechtsbewegung die Erkenntnis, daß es keinen grundlegenden Unterschied zwischen Diskriminierungen von z.B. Deutschen mit afrikanischem Migrationshintergrund oder Gehörlosen gibt? Wird beides bisher mit Recht in völlig verschiedene Schubladen gesteckt?
09.03.12, 19:50:32

Martin Schöngarth (55555)

geändert von: 55555 - 09.03.12, 19:56:51

Ein Beispiel zur Einordnung:
Zitat:
ZEIT: Sie schreiben auch darüber, dass in Mauretanien viele Mädchen und Frauen mit Kamelmilch oder Medikamenten regelrecht gemästet werden, damit sie möglichst schnell an Gewicht zulegen und mehr Chancen auf dem Heiratsmarkt haben. Zu Recherchezwecken haben Sie sogar selbst eine dieser traditionellen Mästerinnen aufgesucht und sich von der gaveuse innerhalb von vier Stunden drei Liter hochkalorische Kamelmilch einflößen lassen...

[...]

Wittler: Was Frauen ? auch unter dem Druck anderer Frauen ? tun, um einem Schönheitsideal zu entsprechen, ist hier wie dort oft selbstzerstörerischer Wahnsinn.

Quelle

Was meint ihr inwiefern das etwas mit Behinderung nach dem sozialen Verständnis zu tun haben könnte? Zur Erinnerung: In unserem Kulturkreis werden Menschen als Behinderte eingestuft, weil sie angeblich abstoßend aussehen und so bezüglich der gesellschaftlichen Teilhabe ausgegrenzt werden. Laut VersMedV gibt es für "Hochgradige Entstellung des Gesichts" einen GdS von 50.
10.03.12, 13:00:52

0 (Rauhreif)

Ich nehme es so wahr, dass Diskriminierung sehr viel mit "etwas sehen" zu tun hat, sowohl vor Behinderung als auch bei anderem "anders sein". Für mich ist da kein Unterschied festzumachen.

Wer sein anders sein "vor den Augen anderer" verstecken kann, gilt nicht als behindert oder wird wegen seiner Herkunft, Religion.... nicht ausgegrenzt.

Wer sich angepasst verhält, ist willkommen. Aber wer will eigentlich gerne in einer Gesellschaft leben, in der es nicht unpassend ist, andauernd zu lügen und sich zu verstellen?

Paradoxes Beispiel: Schmerzpatienten klagen seit Jahren, dass ihre Schmerzerkrankung nicht "wahr" genommen wird, weil sie auf keiner Röntgenaufnahme sichtbar ist und die sonstigen Testungen sehr fragwürdig sind. Wenn sein Äußeres sichtbar als weniger beweglich erscheint, wird der Patient ernst genommen. Eine Balletttänzerin wird sich im hohen Alter noch weit mehr bewegen können als jeder durchschnittliche Sterbliche, kann aber dennoch nicht nachweisbare massive Schmerzen haben. Das glaubhaft zu machen, ist sehr schwierig.

- Der Schein trügt und wir glauben nur, was wir sehen. -
Gerade weil dem Menschen selten hinter die Stirn geschaut werden kann, ist er eine ständige Einladung, sich auf sein Inneres einzulassen.

Würden die Menschen "dreimal hinschauen", dann könnten sie "erkennen" lernen und "Diskriminierung" würde wieder ein "FremdWort".
15.03.12, 17:48:33

Martin Schöngarth (55555)

Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob mein Beispiel oben eventuell von mir nicht zu sparsam beschrieben wurde.

Meine Vorstellung war die, daß Frauen, die aus irgendwelchen Gründen schlank bleiben in der dortigen Kultur als Behinderte gelten könnten.
15.03.12, 18:09:56

0 (Rauhreif)

Ist das in unserer Kultur umgekehrt der Fall?

Ich habe selbst mehrmals erlebt, dass dickere Kollegen ihre rauchenden Kollegen baten, in den Raucherbereichen zu rauchen anstatt im Büro.
Die Antwort war: "Du kostest die Solidargemeinschaft sehr viel mehr als wir, also nimmt erst mal ab, ehe du den Mund aufmachst."

Behinderte die Behinderte beschimpfen?;)
15.03.12, 18:55:28

Martin Schöngarth (55555)

Aus irgendeinem Grund war ich der Meinung, daß man bei deutlichem Übergewicht Merkzeichen aG erhalten könne. Bestätigen konnte ich das jetzt auf die Schnelle nicht. Vielleicht ist das Beispiel also nicht optimal.
Zitat von Rauhreif:
Behinderte die Behinderte beschimpfen?;)

Das wäre nicht neu.
 
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